Heitor Villa-Lobos ist der international renommierteste Komponist Lateinamerikas des 20. Jahrhunderts. 1887 in Rio de Janeiro geboren, erwirbt er sich kompositorisches und instrumentaltechnisches Können weitgehend als Autodidakt. Als Cellist in Kaffeehaus-Orchestern, im Orchester des Theaters und als Improvisator im Kino, sammelt er Erfahrungen in den verschiedensten Musikstilen seiner Zeit. In den Jahren 1910-1920 entstehen eine Vielzahl kammermusikalischer Werke, 5 Symphonien, Klavierstücke und Lieder, die in selbst organisierten Konzerten von Freunden interpretiert werden. Das reichhaltige Kulturleben Rio’s ermöglicht dem jungen Musiker die Bekanntschaft mit führenden Künstlern Europas und den Werken der Avantgarde des alten Kontinents. Die „Woche der Modernen Kunst“ , 1922 in Sâo Paulo, stellt Villa-Lobos mit 3 Konzerten einem grösseren Publikum vor. Die Resonanz ist umwerfend und  der Musiker erhält ein einjähriges Staatsstipendium für einen Aufenthalt in Paris, zusammen mit seiner Frau Lucília, die als Pianistin auch führende Interpretin seiner Werke ist. Den Parisaufenthalt 1923/24 nutzt Villa-Lobos hauptsächlich zur Werbung in eigener Sache: Konzerte in Paris, Brüssel und Lissabon sowie ein Vertrag mit dem Verlagshaus Max Eschig. Zurück in Brasilien findet Villa-Lobos zu seinem persönlichen Stil: mit Originalität und vor allem mit ‚brasilianischer Seele’. Er studiert alte und neue Quellen über Brasilien und seine Völker, ihre Musik, Instrumente, Traditionen und Lebensweisen. Es entstehen 1924-27 die meisten der „Chôros“ genannten Instrumentalstücke und der Liederzyklen mit brasilianischem und indianischem Hintergrund. 1927-30 erlaubt die grosszügige Unterstützung des industriellen Bruderpaars, Arnaldo und Carlos Guinle, dem Ehepaar einen weiteren Parisaufenthalt. In diesen Jahren gelingt ihm der Durchbruch in Europa: seine Werke tauchen in den Programmen berühmter Orchester, Dirigenten und Interpreten auf, der Verlag Max Eschig verlängert die Verträge. 1932 übernimmt Villa-Lobos in Rio die Führung in der Superintendanz des Kulturministeriums. Die Aufgabe: ein breitangelegten Bildungs- und Ausbildungsangebot im Bereich Musikerziehung aufzubauen. Chöre werden gegründet, Orchester entstehen, ein Konservatorium in Rio, und Villa-Lobos gründet einen Chor und ein Orchester seines Namens zur Aufführung seiner Werke und Programme. In diese Zeit des nationalen Aufbruchs Brasiliens fällt die Entstehung der 9 „Bachianas Brasileiras“- Villa-Lobos’ persönlicher Kombination von ‚Bach’ und ‚Brasilien’. So erfüllt unser Komponist exakt das Gebot der Stunde: dem Aufbruch seines Landes eine eigene kulturelle Identität zu verschaffen. Gleichzeitig zollt die Welt dem Komponisten und Dirigenten durch Aufträge, Ehrungen, Engagements und Verehrung seiner Werke internationale Anerkennung.

Bei seinem Tode am 17.11. 1959 in Rio de Janeiro hinterlässt er ein Oeuvre von annähernd 2000 Werken nahezu aller Gattungen. 1961 wird in seiner Heimatstadt unter der Leitung seiner 2. Frau Arminda das ‚Museu Villa-Lobos’  eröffnet.